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Sonntag, 26. März 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 26.3.2017

"Niemand lernt jemals jemanden kennen. Wir sind alle zu lebenslänglicher Einzelhaft in unserer Haut verurteilt." (Tennessee Williams)

Der amerikanische Dramatiker Tennessee Williams wurde heute vor 106 Jahre geboren. Er ist u.a. Autor des berühmten, mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Theaterstücks "Die Katze auf dem heißen Blechdach", das unter der Regie von Richard Brooks 1958 verfilmt wurde und sich mit psychischen Deformationen von Menschen befasst. Dazu zählt auch Kommunikationsunfähigkeit. Genau die Schräglage also, die zum Inhalt obiger Aussage führt. 

Je mehr wir bereit sind, uns offen und ohne Berechnung anderen gegenüber zu zeigen und verbal zu äußern, umso eher sind andere in der Lage uns kennenzulernen. "Lebenslängliche Einzelhaft in unserer Haut" hat viel mit mangelnder Selbstsicherheit und mit Schüchternheit zu tun. Die dadurch entstehenden Kommunikationsdefizite können  in die Depression treiben. Nicht wenige Menschen mit Kommunikationsblockaden werden körperlich krank oder nehmen sich sogar das Leben. 

Was ist daran so schwierig, seine Meinung zu unterschiedlichen Sachverhalten höflich zu bekunden und was macht es schwer, über unsere Vorlieben oder auch über das zu sprechen, was wir nicht mögen? Ist es die Angst, nicht zu genügen? Fast scheint es so. 

Dieser Tage war Ingrid van Bergen bei Markus Lanz in der Talkshow. Die einst weltberühmte Schauspielerin erschoss 1977 ihren Geliebten im Affekt und wurde zu 7 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Sieht man sich auf Youtube das Interview von Markus Lanz und Ingrid van Bergen an, so wird klar, dass die Aussage des Dramatikers nicht für alle gilt. 

Die mittlerweile 85 jährige Schauspielerin ist weder schüchtern, noch mangelt es ihr an Selbstsicherheit, noch hat sie Angst nicht zu genügen. Sie sagt, was sie denkt  und fühlt und akzeptiert dadurch, dass man sie kennen lernt. 

Ingrid van Bergen lässt ihre Mitmenschen nicht im Ungewissen wie sie zu ihrer damaligen Tat steht und versucht, keinen Dritten dafür verantwortlich zu machen. Man lernt sie glaubhaft als eine Person kennen, die sich mit ihrer Tat intellektuell und emotional auseinandergesetzt hat und die sich nicht verzeiht, sich rechtzeitig abgegrenzt zu haben, weil das geschehene Drama ab einem bestimmten Zeitpunkt vorhersehbar war, wie sie sagt. 

Dramen vorhersehen zu können, heißt Kränkung und Schmerz nicht zu verdrängen,  heißt auch zu verzichten und unter Umständen einen disziplinierten Schlussstrich zu ziehen, um Gefühle nicht weiter hochkochen zu lassen. 

Kränkung führt dazu, möglicherweise früher oder später auszurasten und rational nicht mehr gegen steuern zu können. Über Gefühle zu sprechen und unsere Kränkungen zu benennen, ohne zu lamentieren, das ist Stärke. 

Sich nicht verstanden zu fühlen, hängt viel auch davon ab, sich nicht konkret zu artikulieren. Keiner von uns allen ist Hellseher. Deshalb  brauchen wir Informationen, um zu begreifen. 

Lug und Betrug macht Menschen kirre, speziell jene, die zur Offenheit neigen. Von daher müssen sich gerade offene Menschen von Lügnern und Betrügern abgrenzen, weil Dramen ansonsten vorprogrammiert sind. Das gilt nicht nur für das Privatleben. 

Helga König

Samstag, 18. März 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 19.3. 2017

"Der europäische Pulsschlag soll allenthalben wieder spürbar werden!" (Pulse of Europe)

In den sozialen Netzwerken hat man Gelegenheit, sich mit den Accounts von "Pulse of Europe" (siehe Twitter und Facebook) zu verlinken und auf diese Weise täglich für den Fortbestand der Idee Europas zu werben. 

Wer oder was ist "Pulse of Europe"

Die überparteiliche, unabhängige Bürgerinitiative  "Pulse of Europe" wurde 2016 in Frankfurt/ Main von den Rechtsanwälten Daniel und Sabine Schröder gegründet. Nicht zuletzt wegen des EU-Austritts des Vereinigten Königreichs und des vermehrten Auftretens rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien, ist es ihr Bestreben, diese unsägliche Entwicklung durch eine pro-europäische Bewegung zu stoppen. 

Die 10 Grundthesen der Bürgerinitiative lauten: 
1. Europa darf nicht scheitern 
2. Der Friede steht auf dem Spiel 
3. Wir sind verantwortlich 
4. Aufstehen und wählen gehen
5. Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit sind unantastbar 
6. Die europäischen Grundfreiheiten sind nicht verhandelbar 
7. Reformen sind notwendig 
8. Misstrauen ernst nehmen 
9. Vielfalt und Gemeinsames 
10. Alle können mitmachen – und sollen es auch. 

Auf der Homepage von "Pulse of Europe" werden diese Thesen näher erläutert: 

Überall in Europa schließen sich seit ihrer Gründung Menschen dieser Bewegung an, gehen mit Europafahnen und Luftballons jeden Sonntag auf die Straße und bekunden friedlich ihr JA zu Europa. 
  
Auf diese Weise wird sichtbar, dass es neben destruktiven eine Vielzahl bislang ungehörter anderer Stimmen gibt, die nun  immer lauter werden.

Ziel von "Puls of Europe" ist: "So viele Menschen wie möglich in Europa zu versammeln, die für Europa einstehen und so dazu beitragen, dass nach den Wahlen pro-europäische Kräfte mehrheitsfähig regieren können. So können wir über viele Orte eine Menschenkette durch Europa bilden, die die Länder miteinander verbindet." (Pulse of Europe)

Die Friedenssehnsucht der Europäer ist uralt. Viele Schriften wurden und werden zum Thema Frieden verfasst, wobei das wichtigste Ziel zumeist selbstverständlich der Weltfriede ist. 

Reflektiert man die Entwicklung, so tritt der Zusammenhang zwischen Frieden und europäischem Aufbauwerk eindeutig erkennbar hervor. 

Wer dauerhaft Frieden möchte, sollte sich also der Idee Europas anschließen und diese in die Welt tragen, denn Europa ist die Wiege der Demokratie und Demokratie der Garant für Freiheit, Vielfalt Toleranz und damit für Frieden. 

Die Redaktion von "Buch, Kultur und Lifestyle" begrüßt die Aktivitäten und Ziele der Bürgerinitiative "Puls of Europe" sehr und fühlt sich mit all jenen, die sich  für ein demokratische Europa entschieden haben, eng verbunden.

Helga König

vgl: Wikipedia

Sonntag, 12. März 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 12.3.2017

"Ehrlich und herzlich den gelten lassen, der uns nicht gelten lässt – höchste Noblesse!" (Freifrau von Ebner- Eschenbach)

Unter dem Namen, "De Echte" twitterte heute eine Userin obiges Zitat und fügte folgende Empfehlung hinzu: "twittern wie Ebner- Eschenbach" 

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830-1916) war eine österreichische Schriftstellerin, die zumeist in Wien lebte. Dass sie eine führende Persönlichkeit im 1891 von Arthur Gundaccar von Suttner gegründeten österreichischen "Verein zur Abwehr des Antisemitismus" war, spricht ebenso für sie, wie ihr lebenslanger Kampf für Sittlichkeit und Humanismus. 

Herzensadel kommt nicht von Ungefähr. Er hat mit Erziehung, mit Bewusstseinsbildung, mit Achtung seiner Mitmenschen und anderem mehr zu tun. Sich täglich darin zu üben, andere gelten zu lassen, in Diskussionen nicht persönlich verletzend zu werden, auf Augenhöhe zu kommunizieren, sind gute Maßnahmen, um Friedfertigkeit voranzutreiben. 

In dem oben angeführten Zitat spricht Ebner- Eschenbach den sogenannten Herzensadel an, d. h., genau jene Eigenschaft, die Menschen davor bewahrt, zu Rüpeln oder verbalen Nachtretern zu werden. 

Seit Internetzeiten haben wir Gelegenheit jene Leute genau zu studieren, die mobben, stalken oder trollen und haben zudem eine Vielzahl von Erfahrungen sammeln können wie wir auf solche Personen am klügsten reagieren. 

Wer sich intensiver mit dem Thema befasst hat, erkennt, dass all jene, die uns nicht gelten lassen wollen, unseren Selbstwert in Fokus haben. Sie wollen ausloten wie verletzbar wir sind, wollen den wunden Punkt finden, um gnadenlos "zuzuhauen". Das schafft ihnen Befriedigung. Dabei müssen solche Zeitgenossen uns noch nicht einmal persönlich kennen. Ihr Problem sind nicht wir, sondern solche Leute stehen sich selbst im Weg.

Wir wissen mittlerweile, dass es zumeist zutiefst frustrierte Menschen sind, die im ewigen Vergleich leben, den sich nicht aushalten und deshalb einen Feldzug gegen all jene führen, denen sie mit Neid begegnen. 

"Ehrlich und herzlich den gelten lassen, der uns nicht gelten lässt" ist überhaupt nicht schwierig, wenn  man sich  nicht abhängig macht, von Entwertungsversuchen durch Dritte. 

Menschen, die im Destruktionsmodus leben, brauchen professionelle Hilfe. Ihre Rüpeleien sind letztlich Hilfeschreie, weil sie nicht den richtigen Weg finden,  mit ihren Mitmenschen ins Gespräch zu kommen. Im Grunde sind es sehr vereinsamte Leute, denen der Zugang zum Du verstellt ist. Ihre Tarnkappen verdeutlichen wie feige sie sind, zu dem zu stehen, was sie Dritte entwertend in die Welt twittern.

Es ist nicht immer ganz einfach, gelassen zu bleiben, wenn jemand extrem verbal keult, doch es lohnt sich, Ruhe zu bewahren, weil wir uns dann nicht auf die Ebene der Destruktivität begeben, die Entwertern zwar Befriedigung, jedoch keinen Erkenntnisgewinn bringt.


Helga König

Samstag, 4. März 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 5.3.2017

"Vom Schlechten kann man nie zu wenig und das Gute nie zu oft lesen: Schlechte Bücher sind intellektuelles Gift; sie verderben den Geist. Um das Gute zu lesen, ist eine Bedingung, dass man das Schlechte nicht lese: denn das Leben ist kurz, Zeit und Kräfte beschränkt." (Arthur Schopenhauer). 

Der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788- 1860) schloss die Bewegung des deutschen Idealismus ab und gilt zugleich als Hauptvertreter des Pessimismus. 

Das obige Zitat des Privatgelehrten habe ich dieser Tage auf Twitter gelesen und frage mich seither, ob ich zustimmen kann. 

Schopenhauer lebte in einer Zeit, wo der Anteil der Lese- und Schreibkundigen noch gering war. Erst um 1860 kam es zu einer Wende. Wer lesen und schreiben konnte, war allerdings noch lange kein Bildungsbürger, d.h., ein Mensch, der wie Arthur Schopenhauer der Bildungsschicht angehörte und insofern humanistische Bildung sowie Literaturkenntnisse sein eigen nannte. 

Die Anzahl der publizierten Bücher war noch überschaubar und insofern konnte man sich einfacher als heute einen Überblick verschaffen, vermochte möglicherweise dem kleinen Kreis von Rezensenten, die neue Publikationen beurteilten, eher vertrauen als heute der Masse an Möchtegernkritikern und sich somit sogenanntes "intellektuelles Gift" ersparen. 

Doch was mag "intellektuelles Gift" für Leser wie Schopenhauer gewesen sein? Wovor hatte er Angst? Um dies auszuloten, müsste man all seine Texte und zudem seine Biografie gelesen haben. Hier muss ich passen. 

Wie muss der Geist eines Bildungsbürgers beschaffen sein, der glaubt, durch die Lektüre eines Buches intellektuell verunreinigt  zu werden? 

Was  könnte  den Geist von Lesern heute vergiften? Die Fülle von Ratgeberliteratur? Seichte Krimis oder noch seichtere Liebesromane? Stilistisch einem Kopfzerbrechen bereitende Philosophiebücher? Bedenkliche politische Schriften von ideologischen Vordenkern des rechten oder linken Lagers? 

Der Geist kann, sofern er kritisch und ausgereift ist, m. E. intellektuell nicht vergiftet werden. Wer inneren Abstand zur Lektüre hält, mit der er sich befasst, wird durch jedes Buch einen intellektuellen Mehrwert verzeichnen können, weil man durch alles, auch durch das handwerklich oder inhaltlich Bedenkliche, lernt. 

Sich Leseverbote aufzuerlegen, aus Angst zu verblöden oder bildungsbürgerlicher ausgedrückt "intellektuell vergiftet" zu werden, zeugt von mangelnden Selbstvertrauen in die eigene Denkfähigkeit.  

Wer wie Schopenhauer in den Kategorien "gut" und "schlecht" denkt, wertet. Seit den Zeiten der Internetbewertungsportale hat Werten einen inflationären Charakter angenommen und sich damit mittlerweile ad absurdum geführt, auch wenn sich dies noch nicht überall herumgesprochen hat.  

Bei der Fülle von Büchern, die jedes Jahr veröffentlicht wird, greift selbst ein sachkundiger Leser hin und wieder daneben und erwischt ein Buch, das ihm keine neuen Erkenntnisse schenkt. Ist ein solches Buch deshalb schlecht? 

Bücher erscheinen uns dann wenig interessant, wenn sie einen geistigen Reifegrad anpeilen, den wir bereits durchlaufen haben oder von dem wir noch Lichtjahre weit entfernt sind. 

Entscheidend ist der Erbauungs- oder Erkenntnisgewinn eines Buches, dessen Höhe durch jeden Leser individuell bestimmt wird. Insofern gibt es kein generell gutes oder schlechtes Buch. Werturteile sind subjektiv und bleiben es bis in alle Ewigkeit.

Was anzustreben ist, sind aufgeklärte Leser, denn diese können von ideologisch bedenklichen Büchern intellektuell nicht vergiftet werden, zudem werden solche Leser durch seichte Liebesromane auch keineswegs zu sentimentalen Heulsusen gemacht. 


Helga König

Sonntag, 26. Februar 2017

Helga König: Sonntagskolumne 26.2.2017

"Neid ist ein Eingeständnis der Minderwertigkeit." Victor Marie Hugo (26.2. 1802- 22. Mai 1885)

Anlässlich des Geburtstages des französischen Schriftstellers Victor Hugo habe ich heute Vormittag einige  seiner Gedanken getwittert.

Die Sentenz: "Neid ist ein Eingeständnis der Minderwertigkeit" führte zu Kommentaren zweier Follower und motivierte mich dazu, meine Sonntagskolumne Victor Hugo und hier speziell seinem Zitat zu widmen. 

Der französische Schriftsteller Victor Hugo lebte seit 1851 im Exil in Brüssel, später auf Jersey und Guernsey. Dort schrieb er Gedichte, politische Satiren und den sozialkritischen Roman "Die Elenden". Damit machte er sich zum Anwalt des demokratischen Gedankens. 1870 ging er nach Paris zurück und begleitete einige Staatsämter, ohne jedoch politischen Einfluss auszuüben. 

Nun zur Sentenz: "Neid ist ein Eingeständnis der Minderwertigkeit“"

Anbei auch die Kommentare der beiden Follower:

Werner Hupperich: "Wodurch lässt sich "Neid" von berechtigter Kritik an ungleicher Verteilung abgrenzen bzw. gibt es dazu auch ein Zitat?" 

Martin Söchting: "Missverhältnisse schaffen stets Missgunst. Umgekehrt eher weniger." 

Werner Hupperich: "Eben. Es ist verlogen, durch ungerechte Verteilung erst Neid zu provozieren, um ihn dann zu beklagen." 

Was ist Neid? 

Wikipedia definiert: "Neid existiert in zweierlei Ausprägungen: 
• dem Wunsch der neidenden Person, selbst als gleichwertig empfundene Güter zu erlangen, um die die beneidete Person beneidet wird (konstruktiver Neid) 
• dem Wunsch, dass die beneidete Person die Güter, um die sie beneidet wird, verliert (destruktiver Neid, auch Missgunst). Ersatzweise kann der Neidende auch den Wunsch nach anderem Schaden für die beneidete Person entwickeln." 

Aus diesen Definitionen lässt sich nicht schließen, dass der konstruktive oder destruktive Neider sich minderwertig fühlt, sprich, dass er ein Persönlichkeitsproblem hat. 

Liest man den Wikipedia-Eintrag  zu "Neid" weiter, stößt man auf ein Zitat von Prof. Dr. Götz Aly: 

"Neid entsteht aus Schwäche, Kleinmut, mangelndem Selbstvertrauen, selbstempfundener Unterlegenheit und überspanntem Ehrgeiz, deswegen verbirgt der Neider seinen unschönen Charakterzug schamhaft. Er lehnt lauthals ab, es dem Beneideten gleichzutun. […] geht es ihm an den Kragen, genießt der Neider stille Schadenfreude."

Dieses Zitat zeigt, dass Victor Hugo und Prof. Dr. Götz Aly gedanklich bei  ihrer Neidbetrachtung nicht weit voneinander entfernt liegen. 

Zur Frage Werner Hupperichs: "Wodurch lässt sich "Neid" von berechtigter Kritik an ungleicher Verteilung abgrenzen bzw. gibt es dazu auch ein Zitat?"

Ein Zitat dazu,  habe ich  bislang nicht gefunden.  

Meines Erachtens sollte man hinterfragen, wodurch Güter ungleich verteilt sind. Begabungen beispielsweise sind angeboren. Hier die Ungleichverteilung zu kritisieren wäre absurd,  sie ist vorgegeben im Gegensatz zur Ungleichverteilung materieller Güter.  Sinnvoll  ist es aber, darauf hinzuwirken, dass die Begabungen aller Menschen gefördert werden. Ein Engagement dieser Art basiert nicht auf einem Neidmotiv, sondern auf einem Fairnessgedanken. 

Auch die berechtigte Kritik an der Ungleichverteilung materieller Güter auf dieser Welt aufgrund jahrhundertelanger Ausbeutung der Drittländer basiert nicht auf Neid und entsprechenden Minderwertigkeitsgefühlen, sondern auf dem Gedanken, dass eine faire Förderung der Begabungen, materielle Ressourcen überall auf der Welt notwendig machen und dies allein aus Vernunftsgründen gewährleistet sein sollte, denn nur so können wir alle langfristig im Frieden leben. 

Oft sind überaus begüterte, gierige Personen sehr neidisch und versuchen anderen, die weit weniger besitzen als sie selbst zu schaden, weil sie niemals genug bekommen können. Schreien die Geschädigten auf,  plärrt der Gierhals  "Sozialneid".  Dies ist  dann aber eine Unverschämtheit, denn Gierverhalten anzuprangern,  basiert nicht auf Neid.

Im gierigen Neider herrscht tatsächlich ein unglaublicher Mangel, der von Minderwertigkeitsgefühlen gespeist wird. Ein solch neidischer Mensch kann nicht geben, sondern reißt dem anderen selbst das letzte Hemd weg, ohne ein Schuldgefühl zu entwickeln. Anstatt an seinem Minderwertigkeitsgefühl zu arbeiten, geiert der gierige Neider immer mehr. Der Mangel an Erkenntnisfähigkeit ist die Folge und Ursache von Gier zugleich.

Wer solchen neidischen Gierhälsen das Handwerk legt, um die Begabungen und Chancen  aller zu fördern, ist kein Neider, sondern ein Humanist. 

Neid und Gier treten immer gemeinsam auf. Fairnessgedanken sind wirklich neidischen Menschen vollkommen fremd.  Dieser Mangel entlarvt den gierigen Neider immer.

Helga König

Sonntag, 19. Februar 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 19.2.2017

"Immer Gerechtigkeit für andere, Mut für uns selbst. Das sind die zwei Tugenden, worin alle anderen bestehen." 

Dieser Satz Rahel Varnhagen von Enses (1771-1883), soll Gegenstand der Betrachtung der heutigen Sonntagskolumne sein. 

Rahel Varnhagen gilt als die Muse der deutschen Romantik. Sie war Schriftstellerin und Salonière, die einen bemerkenswerten Freundeskreis hatte. Zu diesem Kreis zählte Heinrich Heine, Ludwig Börne und auch Hermann von Pückler-Muskau, Personen also, die sie intellektuell sehr bereicherten. Die blitzgescheite Salonière gab allerdings gerne Bereicherndes zurück. Das machte sie unvergesslich, wie  Biografien, die Hannah Arendt und Carola Stern über sie verfassten, bekunden.

"Immer Gerechtigkeit für andere, Mut für uns selbst. Das sind die zwei Tugenden, worin alle anderen bestehen." 

Was ist eine Tugend? Wikipedia definiert: "Allgemein versteht man unter Tugend eine hervorragende Eigenschaft oder vorbildliche Haltung."

Wir haben es also bei Gerechtigkeit offenbar mit einer vorbildlichen Haltung und bei Mut mit einer hervorragenden Eigenschaft zu tun. Beide Tugenden sind laut Varnhagen Grundbedingung  für alle weiteren, wie z.B. Mitgefühl, Besonnenheit, Großzügigkeit, Redlichkeit oder auch Spielfreude.

Der römische Philosoph Cicero sagte einst "Mut ist die Tugend, die für Gerechtigkeit eintritt." Vermutlich ist das Zitat Rahel Varnhagens eine Ableitung dieses Gedankens. 

Kant wiederum postulierte "Habe Mut Dich Deines Verstande zu bedienen." Wer diesen Mut aufbringt, wird erkennen, dass nur dort, wo Gerechtigkeit, sprich Fairness, das Verhalten einer Gesellschaft prägt, man auch tatsächlich im Frieden leben kann, dem Zustand also, der Prosperität erst ermöglicht. 

Nichts führt so sehr zu Spannungen in Familien, in der Gesellschaft und nicht zuletzt auch in der Wirtschaft und Politik als Ungerechtigkeit, herrührend aus Bevorteilung einzelner Personen, Personen- und Gesellschaftsgruppen oder Unternehmen, hier beispielsweise bei der Auftragsverteilung aufgrund von Vetternwirtschaft  sowie Korruption etc. 

Ungerechtigkeit erzeugt zudem stets ein zersetzendes Klima, spürbar bereits in Kindertagen, wenn Eltern unachtsam ihre Zuwendung unfair unter Geschwistern verteilen und dadurch Kränkungen bei den benachteiligten Kindern bewirken, die deren Seelenleben langfristig schaden und zu Ängsten und generellen Verunsicherungen führen. Ursache für das Trauma  ist hier also der Mangel an Mut seitens der Eltern, gerecht zu sein. 

Für den gierigen, selbstsüchtigen Menschen ist Gerechtigkeit stets ein rotes Tuch, denn die Gier macht, sobald sie überbordet, nicht vor dem Eigentum oder der Position oder den familiären sowie gesellschaftlichen Bindungen eines anderen halt. Der Selbstsüchtige will sich alles einverleiben und hat kein Problem damit, wenn der Mitmensch geistig, seelisch  oder materiell verhungert. Um diese Tatsache wirklich zu begreifen,  braucht man oft Jahre oder gar Jahrzehnte.

Der Selbstsüchtige sieht den anderen nicht, weil er nur sich und seine Begierden auf dem Schirm hat. 

Mut, nicht mit Übermut zu verwechseln, "ist eine Charaktereigenschaft, die dazu befähigt, sich gegen Widerstand und Gefahren für eine als richtig und notwendig erkannte Sache einzusetzen." (Wikipedia)

Mut bedarf demnach immer auch einer gewissen, überschaubaren Risikobereitschaft. Im Falle von Gerechtigkeitsbemühungen geht es darum, sich den Ansprüchen von Gierhälsen zu widersetzen und energieraubenden Ärger auszuhalten.

Wer sich in unserer narzisstischen Gesellschaft für Gerechtigkeit einsetzt, muss mit viel Widerstand, auch mit Gefahren rechnen, denn die Forderung fair und damit gerecht miteinander umzugehen, schafft nicht nur Freunde. 

Man benötigt Mut und dazu noch Demut, wenn man im Laufe seines Lebens erkennt, dass das Bemühen um Gerechtigkeit nur selten von Erfolg gekrönt ist, braucht viel Mut trotz aller Unbill weiterzumachen. 

Wer mutig die Gerechtigkeit fördert, ist - man kann es bei den großen Gerechten dieser Welt deutlich erkennen- stets auch  großzügig, selbstgenügsam, verantwortungsvoll und zudem weise.

Untugenden wie Hochstapelei, Narzissmus, Angabe, Unredlichkeit, Gier und Unverschämtheit sind mutigen, gerechten Menschen fremd. Das macht sie so ungemein sympathisch und anziehend, erstaunlicherweise  auch für jene, die den Schatten leben und dem mutigen, gerechten Menschen dessen innere Freiheit neiden, ein Zustand, der nur dort entsteht, wo der Zwang zur Selbstsucht überwunden wurde. 

Helga König

Sonntag, 12. Februar 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 12.2.2017

Am 11. und 12. Februar wurden in zwei unterschiedlichen Epochen zwei namhafte deutschsprachige Lyrikerinnen und eine ebenso namhafte Schriftstellerin geboren.

Die am 11. Februar 1780 zur Welt gekommene Karoline Friederike Louise Maximiliane von Günderrode war eine Dichterin der Romantik. Ihre Herkunftsfamilie gehörte im 16. Jahrhundert zu den führenden Patriziergeschlechtern in Frankfurt/Main. Sie selbst studierte- für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich - als Stiftsfräulein Philosophie, Geschichte, Literatur und Mythologie und träumte von einem selbstbestimmten Leben. Karoline war ein Freigeist. Dies zeigen ihr Leben und ihre romantisch-schwermütigen Gedichte. Dass die Lyrikerin im Alter von nur 26 Jahren der Liebe wegen ihrem Leben ein Ende setzte, war gewiss ihrer romantischen Seele geschuldet, auch die Art des Todes, den sie wählte, war romantisch.

Denkt man an Romantik, kommen uns Dichter Lord Byron, Novalis und Hölderlin spontan in den Sinn. Vorbilder der Romantik waren vor allem die Antike, das als "romantisch" empfundene Mittelalter, auch orientalische und chinesische Kulturen. Man suchte nach dem Fremden, dem Andersartigen, dem Unbewussten, vielleicht auch geheimnisvoll Fantastischen in den dunklen Seiten des Lebens. Die Romantik war, die Erwähnung des britischen Dichters Lord Byron verdeutlicht es, eine gesamteuropäische Bewegung, die geprägt war von der philosophischen Auseinandersetzung über die Bedeutung und die Autonomie von Kunst.

In literarischen Werken, ging es inhaltlich in erster Linie um die Reflektion von Geschichte, Literatur und Kunst. Diskussionen fanden u.a. in Salons statt. Vielleicht hat man auch über nachstehendes Gedicht der Günderrode debattiert, das deren eigenes Ableben vorwegnimmt.

Ariadne auf Naxos

Auf Naxos Felsen weint verlassen Minos Tochter.
Der Schönheit heisses Flehn erreicht der Götter Ohr.
Von seinem Thron herab senkt, Kronos Sohn, die Blitze,
Sie zur Unsterblichkeit in Wettern aufzuziehn.

Poseidon, Lieb entbrannt, eröffnet schon die Arme,
Umschlingen will er sie, mit seiner Fluthen Nacht.
Soll zur Unsterblichkeit nun Minos Tochter steigen?
Soll sie, den Schatten gleich, zum dunklen Orkus gehen?

Ariadne zögert nicht, sie stürzt sich in die Fluthen:
Betrogner Liebe Schmerz soll nicht unsterblich seyn!
Zum Götterloos hinauf mag sich der Gram nicht drängen,
Des Herzens Wunde hüllt sich gern in Gräbernacht

Karoline Günderrode


Die Dichterin Else Lasker-Schüler, wurde am 11. Februar 1869 geboren. Sie gilt als eine wichtige Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur. Schon im Alter von vier Jahren konnte die Enkelin eines Großrabbiners lesen und schreiben und galt als Wunderkind. Bereits vor ihrer Ehe mit dem Schriftsteller Herwarth Walden veröffentlichte sie einen Lyrikband und war später mit namhaften Dichtern wie Gottfried Benn,  Franz Werfel und  Georg Trakl befreundet. Für Benn war sie "die größte Lyrikerin, die Deutschland  je hatte". Ihre Gedichte gelten als traumhaft, mitunter schwärmerisch und visionär. Obschon so völlig anders, erkennt man im nachstehenden Gedicht dennoch  die Seelenverwandtschaft zu Karoline  Günderrode.

Aber ich finde Dich nicht mehr

Ich gleite meinen lallenden Händen nach,
Die suchen überall nach dir.

Aber ich finde dich nicht mehr
Unter den Dattelbäumen,
Unter den Zweigen der Träume.

Alle meine starren Kronen sind zerflossen
Vor deinem Lächeln
Und zwischen unseren Lippen jauchzten die Engel.

Ich will meine Augen nicht mehr öffnen,
Wenn sie sich nicht
Mit deiner Süße füllen.

Else Lasker-Schüler


Am 12. Februar 1869 wurde Lou Andreas-Salomé geboren. Sie war Schriftstellerin, auch Lyrikerin und Psychoanalytikerin. Studiert hatte sie in Zürich Religion und Kunstgeschichte und war mit vielen namhaften Persönlichkeiten eng befreundet. Unter ihren Freunden waren Rainer Maria Rilke, Friedrich Nietzsche, Arthur Schnitzler, Frank Wedekind und Sigmund Freud.

Andreas-Salomé schrieb u.a. mehrere Romane und Erzählungen, aber auch  Gedichte, deren Inhalte vorwiegend psychologisch- emanzipatorisch sind.  Ihren Träume wurden durch Analyse die Schwermut genommen.   

Alle drei Frauen waren überdurchschnittlich intelligent und hochgebildet, ihrer Zeit intellektuell voraus und vielleicht genau deshalb sehr  kompliziert in ihrer Gefühlswelt.

Lou unterschied sich allerdings von Karoline und Else durch ihr unverbrüchliches Ja zum Leben, das durch keinen Mann in Frage gestellt werden konnte. Das macht sie so modern, dabei aber auch letztlich  untauglich für  jene Träume, die nicht nur  Rilke vergeblich zu leben versuchte.

Gebet an das Leben

Gewiss, so liebt ein Freund den Freund
wie ich dich liebe, rätselvolles Leben!
Ob ich in dir gejauchzt, geweint,
ob du mir Leid, ob du mir Lust gegeben,
ich liebe dich mit deinem Glück und Harme,
und wenn du mich vernichten mußt,
entreiße ich schmerzvoll mich deinem Arme,
gleich wie der Freund der Freundesbrust.

Lou Andreas-Salomé


Der französische Philosoph und Mathematiker René Decartes starb gestern vor 367 Jahren. Er sagte einst: "Denn mit den Geistern anderer Jahrhunderte verkehren, ist fast dasselbe wie reisen."

Nicht mit jedem Geist kommt man  im Hier und Heute an. Mit dem Geist  Lou Andreas Salomés dürfte es klappen, auch wenn wir wehmütig auf die Dichter und Dichterinnen des Gestern zurückblicken, die wir während er Zeitreise kennengelernt haben.

Helga König


Sonntag, 5. Februar 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 5.2.2017

Unberechenbar, unzuverlässig und verlogen.... Wen assoziiert man derzeit damit, wenn man diese Worte liest? 

Diesen Tweet schrieb ich heute Morgen, noch vor der ersten Tasse Kaffee. Spontan fielen Namen von Politikern, auch der Begriff der "zuständige Paketdienstzusteller"  wurde genannt und der ein oder andere wird sicher an Familienmitglieder oder Arbeitskollegen, seinen Chef oder wen auch immer gedacht, dabei gallig oder frustriert auf bessere Zeiten gehofft haben, wissend, dass bestimmte Charaktere nicht veränderbar sind. 

Seit Jahren bereits beschäftigt mich die Frage, was manche Menschen so unberechenbar, unzuverlässig und verlogen macht. Ist es ihr Egoismus? Sind es genetische Dispositionen? Ist es eine Art von Geisteskrankheit? 

Treten gewisse Eigenschaften immer gemeinsam auf? 

Unberechenbarkeit, Unzuverlässigkeit und Verlogenheit gehören zu einer bestimmten Charakterstruktur. Personen, die diese besitzen, können viel Schlimmes anrichten, wenn man ihnen nicht rechtzeitig Grenzen aufzeigt. 

Zwischenzeitlich gibt es eine wirklich erstaunlich umfangreiche Literatur zu Egoisten, Narzissten, Sozio- und Psychopathen und man findet im Internet, wenn man diese Suchbegriffe eingibt, eine nicht endend wollende Fülle von Informationen. Helfen diese uns weiter? 

Ja, sie tun es, wenn man achtsam auf Menschen zugeht, bereit ist, auf möglicherweise zunächst lukrativ erscheinende Beziehungen zu verzichten und sich von all jenen trennt, die unverkennbar dem Schema zuzuordnen sind. 

Schwierig wird es, wenn ein solches Charakterschwein durch freie Wahlen in einer Demokratie an die Spitze eines Landes gewählt wird. Was dann? 

Was, wenn man auf eine Person stößt, die ihrem Wesen nach absolut unberechenbar ist?  Darf man dieser Person überhaupt die Macht geben, binnen weniger Stunden die Erde unbewohnbar zu machen?  Wie sieht es mit unserer Verantwortung in einem solchen Falle aus?

Was hat die Menschheit aus dem Phänomen Hitler gelernt? 

Wir leben in einer Zeit, wo immer mehr Möchtegernpolitiker aufgrund populistischer Sprüche an Macht gewinnen. All diese Typen haben unendliche Charaktermängel und sind insofern brandgefährlich. Diesbezüglich muss ein Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen werden. Wäre es nicht an der Zeit, dass ausschließlich Politiker, die ihr Leben lang gezeigt haben, dass sie Humanisten sind, politisch herausragende Ämter erhalten? Noch Utopie... Doch die Vernunft gebietet genau das.

Müssten in einer Demokratie  Führungskräfte  zum Schutze der Bürger nicht genau überprüft werden, ob sie wirklich alle Tassen im Schrank haben? Was spricht für und was gegen eine solches Überprüfen? 

Ist es verantwortlich, größenwahnsinnigen Rechthabern die Entscheidung über unser Leben zu überlassen?  

Wenn wir Weltbürger sein wollen, sollten wir uns schnellstens von nationalstaatlichem Unsinn verabschieden und eine Weltregierung präferieren, sollten gemeinsam nach Vernunftslösungen suchen und Kriegstreiber dorthin verbannen, wo sie keinen Schaden mehr anzurichten vermögen: Auf eine einsame, schöne Insel, wo sie Schäfchen oder Gänseblümchen zählen können. Niederträchtige Menschen  können zwar in Idyllen  nicht geheilt werden,  aber machtlos und ohne Waffen bleibt ihnen nur die Chance, das verordnete Paradies zu ertragen, zum Wohle der Menschheit.

Was spricht dagegen, diesen neuen Weg zu gehen?

Helga König

Samstag, 28. Januar 2017

Helga König: Sonntagskolumne. 29.1. 2017

In den letzten Wochen habe ich in den sozialen Netzwerken immer wieder auf einige Facebook-Gruppen aufmerksam gemacht, in denen sich jeweils Menschen zusammenfinden, die gemeinsame Interessen haben und diese dort pflegen. Diese Gruppen folgen dem gleichen Prinzip wie das Onlinemagazin "Buch, Kultur und Lifestyle" www.rezensionen.co, das durch seine Untergliederung in Interessengebiete die Leser mit nichts behelligt, was ihren Interessen völlig zuwider läuft. 

Die Gruppe "Gut gelaunte Weinfreunde" wurde im Mai 2016 gegründet und hat bereits 1125 Mitglieder. Dort begegnen sich  TOP- Winzer, Weinjournalisten und Weinbuchautoren, Weingenießer aber auch Künstler, die Informationen zum Thema Wein, Weingüter und Winzer oder auch  zu Weingut-Events weitergeben und sich so  in das Weingeschehen einbringen möchten. 

Ähnlich wie in allen anderen neu gegründeten Gruppen, auf die ich noch zu sprechen komme, posten wir stets auch Youtube-Clips, die sehr gute Hintergrundinformationen zu den einzelnen Fachbereichen enthalten. Beim Wein geht es beispielsweise um Informationen zu Weinregionen, auch um Weinbautechnik oder um die Präsentation von Weingütern aus anderen Ländern. 

Die Gruppe "Philosophie, Psychologie und Pädagogik" stellt Texte, Bücher und Rezensionen aus diesen Bereichen vor. Auch hier werden Youtube-Clips dazwischen geschaltet, um sich mittels guter Vorträge von Kapazitäten in den genannten Bereichen, aber auch durch Dokumentationen weiterbilden zu können und mit den Gruppenmitgliedern darüber entspannt zu diskutieren. 

Die Gruppe "Aphorismen, Sentenzen, Zitate" ist bestrebt, durch eigene oder Gedanken anderer täglich zum Nachdenken anzuregen. Dass sich nicht wenige Sentenzen dazu eignen, einen Essay oder eine kleine Kolumne über den gedanklichen Inhalt zu verfassen, erfreut natürlich sehr. 

Zwei neu gegründete Gruppen haben das Ziel, ein gut funktionierendes, virtuelles Salonleben zu gestalten. Im "virtuellen Kunstsalon", den es seit Anfang Januar gibt und der bereits 420 Mitglieder zählt, treffen sich Maler, Bildhauer, Karikaturisten, Kunsthistoriker, Fotografen, Galeristen, Journalisten, Autoren, Kunstliebhaber und andere mehr, um Kunst vorzustellen und/oder diese zu bestaunen. 

Künstler berichten auf Nachfrage über die Werke, die sie vorstellen und posten auch Ausstellungsankündigungen und Presseberichte. Interviews mit Künstlern werden verlinkt, des Weiteren Rezensionen zu Ausstellungskatalogen oder Kunstbüchern, zudem gibt es die Möglichkeit Youtube-Clips über Künstler oder Kunstrichtungen zu posten und sich intellektuell darüber auszutauschen. 

Geplant ist ab Februar 2017 einmal monatlich - jeweils sonntags-  eine virtuelle Ausstellung eines Künstlers. Dieser kann dann 5-7 seiner Werke zeigen und diese erläutern. Im Rahmen eines verlinkten Interviews erfährt man dann mehr über den vorgestellten Künstler.  In der Zeit der Ausstellung gilt das Augenmerk dann nur den Werken des fokussierten Protagonisten. 

Mit der Verlegerin Christine Brendle betreibe ich seit dem letzten Sonntag den "Virtuellen Literatursalon". Hier können Buchhinweise zu niveauvoller Literatur vorgestellt und auch Rezensionen gepostet werden. Texte  und Textauszüge von Autoren, auch entsprechende Clips zu Prosa und Lyrik sind erwünscht und an jedem Sonntag ab 11 Uhr besteht die Möglichkeit, gemeinsam über einen vorgestellten literarischen Text oder Textauszug, den wir samstagnachts posten,  zu diskutieren. 

Ziel der Bemühungen ist es, eine für alle bereichernde kulturelle Interaktion voranzutreiben und viel Neues kennenzulernen, vor allem aber zu verstehen, wie viel Mühe hinter guter Arbeit steckt und weshalb man sich ihr grundsätzlich mit großer Wertschätzung nähern sollte. 


Helga König

Sonntag, 15. Januar 2017

Helga König: Sonntagskolumne 15.1.2017

Der Aphoristiker #Ernst_Ferstl postete gestern nachstehenden Gedanken an seine Leser: 

"Menschen, mit denen man die Zeit vergisst, vergisst man nie." 

Wie verhalten sich Menschen, mit denen man die Zeit vergisst und wie verhalten wir uns beim gemeinsamen Tun mit ihnen? 

Wir alle kennen aus der Kindheit die selbstvergessenen Stunden beim Spiel, wo man gemeinsam völlig für den Moment lebt, weil man dann Sorglosigkeit und Glück empfindet. 

Später dann bei beim Tanz, in der Liebe, im gemeinsamen Bestaunen der Welt, beim Diskutieren aber auch beim Arbeiten mit Menschen, die problemlos ein Wir herstellen können, weil sie nicht in ihr Ego verstrickt sind, vergisst man ebenfalls die Zeit und möchte, dass die Momente ewig andauern. 

Im Grunde ist es immer möglich, die Zeit zu vergessen. Dies setzt voraus, dass man sich völlig auf den Augenblick und dass, was man gerade tut, einlässt. Sich mit Dritten auf solche Momente einzulassen, ist nur dann möglich, wenn jeder sich zurück nimmt, um auf diese Weise wirkliche Gemeinsamkeit zu ermöglichen. 

Beim Tanzen, auch beim Liebesspiel ist es die gemeinsame harmonische Bewegung, die uns die Zeit vergessen lässt, aber auch im Gespräch, beim gemeinsamen Arbeiten, beim Bestaunen der Welt ist es letztlich die Harmonie mit dem Gegenüber, die uns glücklich macht, weil ein Hochgefühl damit verbunden ist. 

Menschen, mit denen man bei unterschiedlichem Tun die Zeit vergisst, machen uns nicht zuletzt glücklich, weil sie uns unsere Endlichkeit vergessen lassen. 

Vielleicht suchen wir mit fortschreitendem Alter immer mehr die Nähe zu solchen Personen und gehen jenen aus dem Weg, die durch egozentrisches oder egoistisches Verhalten uns nur an Zeitvergeudung erinnern, die wir uns nicht mehr leisten wollen, weil wir zwischenzeitlich wissen, dass Zeit ein zu kostbares Gut ist, als dass wir  es sinnlos verschwenden sollten.  

Sich nicht auf den Füßen stehen beim gemeinsamen Tanz, auch kein störrisches Verhalten dem anderen entgegenbringen, wenn die Umdrehungen rascher werden, anstelle zu verkrampfen, unbefangen zu lachen und den Moment zu genießen, dass ist Glück als Folge von Harmonie. 

Sich dies gegenseitig zum Geschenk zu machen, sollte unsere Aufgabe sein, wenn wir am Glück aller interessiert sind, ganz gleich in welchem Alter.

Helga König