Impressum

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Samstag, 21. April 2018

Helga König, Sonntagskolumne, 22.4.2018

Es ist unendlich wichtig, an die Schandtaten der Nazis zu erinnern, denn erneut haben wir Nazis in diesem Land. Sie werden wieder morden und rauben, wenn man ihnen keinen Einhalt gebietet, weil es ihrer Natur entspricht. Sie sind unverbesserlich. #noNazis, #noAfD 

Diesen Tweet postete ich heute Morgen, nachdem ich einige Artikel in den großen Tageszeitungen zu dem Aufstand im Warschauer Ghetto, der gestern vor 75 Jahren begann, gelesen hatte. Die Nazis erschossen damals Tausende von jüdischen Ghettobewohnern oder deportierten sie in die Todeslager. 

Woher kommen diese unsägliche Niedertracht und die Kälte, die der Motor für solche kollektiven Schandtaten ist? 

Wie entseelt sind Menschen, die anderen furchtbares Leid zufügen, sie foltern und ermorden aus ideologischen oder religiösen Motiven oder aber weil sie grenzenlos habsüchtig sind? 

Die Publizistin Gräfin Dönhoff, eine Zeitzeugin des Nationalsozialismus,  sprach davon, dass das deutsche Volk damals auszog, die Fleischtöpfe Europas zu erobern und verweist mit dieser unmissverständlichen Aussage auf das Phänomen der Habsucht, die all diesen Schandtaten zu Grunde lag. 

Über Massenpsychologie ist es möglich, die Schattenseiten des Menschen  immer und immer wieder erneut hervorzuholen und dafür zu nutzen, dass eine kleine Clique von machtbesessenen, habsüchtigen, ideologisch oder religiös verwirrten Personen sich für eine gewisse Zeit unglaubliche Privilegien sichert und in der Regel ihren Größenwahn auslebt, indem sie der Masse Mangel einredet und aus ihr eine reisende Bestie macht. 

Das Gefühl nicht genug zu haben, um sich und seine Familie ernähren zu können, lässt Menschen, denen ethische Werte systematisch abtrainiert oder ausgeredet worden sind, zu allen inhumanen Mitteln greifen, um sich Dinge anzueignen. Es wird diffamiert, es werden die Ellenbogen ausgefahren, es wird gefoltert und ermordet, um zu rauben und sich gewissermaßen maßlos zu "sättigen". 

Dabei sind es nicht die Ärmsten, die sich  einreden lassen,  aufgrund von Mangel den Bruder  töten zu müssen, sondern  jene, die, sofern sie im Konsumrausch leben,  meinen,  eigentlich nie genug zu haben und deshalb berechtigt zu sein,  zu rauben und zu killen. 

Es ist das gefräßige Ego, was sich immer extremer auszuleben beginnt und selbst dann noch glaubt, im Mangel zu leben, wenn es sich Millionen oder gar Milliarden angeeignet hat. 

Niedertracht und Kälte nehmen in dem Maße zu, je mehr die Raubzüge eingebracht haben und selbst das letzte Hemd wird dem ausgeguckten Feind noch entrissen, um das habsüchtige Ego zu befriedigen. 

Neoliberalismus und Rechtpopulismus bilden leider ein ideales Paar, das sich, was die Schattenseiten der Menschen anbelangt, gegenseitig erfolgreichst befruchtet und zu immer brutaleren Mitteln greift, um diese auszuleben. 

So bleibt festzuhalten, dass man sich mit diesen Schattenseiten dringendst und ernsthaft befassen muss, um sie in ihrer Wirkung unschädlich zu machen und vor allem genau beobachten sollte, welche Absicht jemand verfolgt, wenn er Mangel predigt. Oft genug geht es nur darum, sich grenzenlos zu bereichern und selten darum, Menschen, die in Not sind, zu helfen. 

Helga König

Sonntag, 15. April 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 15.4. 2018.

"Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken." - Zitat von Hermann Hesse. 

Das Zitat von Hermann Hesse liest man immer mal wieder in den sozialen Medien. Diese subjektive Betrachtung Hesses wird zumeist vielfach angeklickt. Doch kann man sich dieser Meinung wirklich bedenkenlos anschließen? 

Das Adjektiv "arm" steht für: 1a ohne [genügend] Geld zum Leben, …1b. wenig habend, aufweisend oder hergebend, …2. unglücklich, bedauernswert, beklagenswert.*

Es ist anzunehmen, dass Hesse das Wort "arm" entweder im Sinne von "unglücklich" oder "bedauernswert" oder "beklagenswert" in seinem Satz verwendet hat. 

Einst lernte ich ein Haus mit einer großen Bibliothek kennen, dem es an schönen Teppichen und kostbaren Tapeten, auch Bildern an den Wänden nicht mangelte. Es war das freudloseste Haus, das ich je in meinem Leben erlebt habe, weil es immer nur ums Raffen und stets bloß um Lug und Betrug ging. Die Bücher waren letztlich nur Staffage. Es handelte  sich hierbei um Hunderte von seichten Romanen, mit denen die Sentimentalität der gefühlskalten Hausherrin bedient wurde, ferner um alte Bücher mit Nazi-Inhalt und um nicht aufgepackte, kostbare Bildbände, die Gäste zu Firmen-Jubiläen in die Villa anschleppten, weil sie von der Bibliothek, den Teppichen, den Bildern und von vielem anderen mehr geblendet waren. Keiner konnte sich vorstellen, dass dort beklagenswert intellektuelle Leere herrschte, weil tiefsinnige Gespräche bei Tisch per se unterbunden wurden und keiner die Bibliothek genauer unter die Lupe nahm. Das verbot allein schon die Contenance. 

Glücklich machen ja gute Bücher fast nie, doch sie schenken Erkenntnis, was oft schmerzhaft ist, weil man sich von alten Vorstellungen verabschieden muss. Loslassen ist für die meisten nicht einfach. Nicht grundlos gibt es eine Fülle von Ratgebern zu diesem Thema.

Bedauernswert sind alle Menschen, die aufgrund mangelnder Ausbildung oder Desinteresse vom Wissen ausgeschlossen sind und beklagenswert jene, die eine sehr gute Bildung haben, sich aber von abgefeimter Dummheit korrumpieren lassen, weil sie sich dadurch Vorteile versprechen. Ich kannte mal einen Pfarrer, der genau dies tat und so seinen Glauben verriet. 

Wer Bücher wirklich liebt, lebt mit ihnen, macht Notizen, steht auf diese Weise im Dialog mit den Autoren und gewinnt manchmal an wertvoller Erkenntnis hinzu. In Zeiten des Internets haben wir alle Gelegenheit, beinahe alles dort lesen und erfahren zu können, sodass Bücher fast nur noch des haptischen Reizes oder der liebevollen Erinnerung wegen eine Rolle in einem Haus spielen. 

Mein ganzes Leben hindurch habe ich Bücher gelesen, sammele sie, lebe mit ihnen und liebe sie. Doch bin ich dadurch glücklicher geworden? Eindeutig nein, wohl aber ein wenig erkenntnisreicher. Immerhin.

Je mehr mir durch meine tägliche Lektüre klar wird, wie diese Welt tickt, umso mehr erfasst mich der Ekel, dennoch höre ich nicht auf zu lesen.

Je mehr ich erkenne, dass aus der Geschichte nichts gelernt wird und angeblich gebildete Menschen nach wie vor irgendwelchen narzisstischen, verlogenen und kaltblütigen Neros oder Caligulas hinterher rennen, weil sie lieber seichte Romane verschlingen, anstelle sich mit Psychologie und Philosophie zu befassen und von daher realitätsblind sind oder weil sie sich mit menschenverachtender Ideologie zu dröhnen, anstelle ihren gesunden Menschenverstand zu benutzen, um so  mehr wird mir bewusst, dass nur  intensive Herzensbildung uns weiterbringt.  Leonardo da Vinci sagte einst: "Das wahre Wissen kommt immer aus dem Herzen". An dieser Tatsache hat sich bis heute nichts geändert.

Das Lesen von Büchern macht nur Sinn, wenn es dazu dient, humanistisch ausgereifter zu werden und entsprechend zu leben, d. h. den Menschenrechten zu dienen und  sich überall auf dieser Welt im Kleinen wie im Großen für sie stark zu machen. Die bildende Kunst, die Musik und die Poesie sind  hervorragende Mittel um das Herz zu weiten, damit menschenfreundliche Gedanken dort Platz  finden können. Wie notwendig das ist, sehen und erleben wir täglich.

Das Lesen von Büchern sollte niemals ein Mittel zur Flucht vor der Realität sein, sondern ein solches, sie positiv zu verändern.

Ein Haus ohne Bücher ist, sofern Güte und Herzenswärme dort zu finden sind, niemals immateriell arm. Es grenzt an Hochmut anderes zu behaupten.

Helga König

*Duden- arm

Samstag, 7. April 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 8.4.2018

Der FAZ Net vom 6.4.2018 ist zu entnehmen, dass innerhalb der CDU ein "Konservatives Manifest" von Merkel-Gegnern formuliert worden sei. Es geht in dem Entwurf  u.a. darum, dass die Familie und das Leitbild "Vater, Mutter, Kinder" als die wichtigsten Grundlagen der Gesellschaft begriffen werden sollen. Zudem wendet man sich gegen eine weitere staatliche Förderung der "ideologisch motivierten Genderforschung" sowie gegen Quotenregelungen bei der Besetzung von Stellen. Stattdessen sollten "Kompetenz und Befähigung im Vordergrund stehen".* 

Des Weiteren wolle man eine "ungesteuerte Zuwanderung nach Deutschland und in unser Sozialsystem" abwenden und fordere einen besseren Schutz der Grenzen wie auch eine schnellere und konsequentere Abschiebung illegaler Einwanderer. Rechte, linke und islamistische Extremisten müssten kompromisslos bekämpft, liest man weiter, die doppelte Staatsbürgerschaft müsse abgeschafft und Arbeitnehmer von Sozialabgaben entlastet werden. Auch eine Wiedereinführung der Wehrpflicht werde postuliert, um die "Verteidigungsfähigkeit Deutschlands wiederherzustellen und unserer europäischen und internationalen Verantwortung gerecht zu werden".** 

Bereits in der NS-Zeit stellte die Familie ideologisch die Keimzelle der Gesellschaft dar. Es ging dabei vor allem darum, dass das Volk wachsen, sich also vermehren sollte. Der Grund: Man benötigte "Menschenmaterial", um ganz Europa mit einem mörderischen Krieg zu überziehen. Der Einzelne und sein Glück interessierten die braunen Despoten dabei allerdings nicht.

Wer auf dieses Nazi- Leitbild zurückgreift und zugleich nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht schreit, steht unter dem Generalverdacht über kurz oder lang nationalstaatlicher Größenwahn ausleben und sich der AfD als zukünftiger Koalitionspartner andienen zu wollen. 

Die Absicht die AfD rechts zu überholen, um auf diese Weise auf Stimmenfang im rechten Lager zu gehen, ist degoutant und fördert eine Ideologie, die für ein liberales gemeinsames Europa mehr als nur schädlich ist, denn wird das "Konservative Manifest" erst einmal gesellschaftsfähig,  driften vermutlich immer mehr Wackelkandidaten in diesen ideologischen Schwachsinn ab, der ja nicht nur frauen- sondern menschenfeindlich ist. 

Zu unterstellen, dass Frauen, die über Quote in eine Position gelangt sind, weniger kompetent und befähigt seien als Männer, die sich um besagte Position beworben haben, ist schon recht unverschämt, wo doch jeder weiß, dass Frauen immer noch ein Vielfaches leisten müssen, um in Top-Jobs überhaupt eine Chance zu haben.

Gerade in Deutschland, das im letzten Jahrhundert im Rahmen von zwei Kriegen die Verantwortung für 70 Millionen Tode zu übernehmen hat, sollte man seine Schwerpunkte auf friedensstiftende Maßnahmen weltweit legen. Die Wiedereinführung der Wehrpflicht, wie auch die Fremdenfeindlichkeit, die im Wunsch, sich immer mehr abzuschotten, erkennbar wird, gehören eindeutig nicht dazu. 

Wieso sollten Menschen nicht mehrere Staatsangehörigkeiten haben? Fördert dies nicht letztlich das globale Denken, das in unserer globalisierten Welt einfach notwendig ist, um weltweite Probleme in ihrer Tiefe zu erkennen und auch zu lösen?

Je mehr wir nationalstaatliche Verhaltensmuster mindern, umso höher wird die Chance, nicht nur europa- sondern weltweit im Frieden leben zu können und damit eine Basis für wirtschaftliche Blüte überall zu schaffen.

Mit den Ideologien der Vergangenheit lassen sich die Probleme von Heute und Morgen nicht lösen. Aufeinander zu gehen und mit den Lebensformen, die sich  in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben, zurecht zu kommen und sie zu kultivieren, ist angesagt. Alles andere führt in eine Sackgasse.

Helga König


Freitag, 30. März 2018

Helga König, Osterkolumne, 30.3.2018

Mit dem Begriff "Heimat" assoziiere ich spontan Begriffe wie "Heimatvertriebene", "Heimaturlaub", "Heimatfilme" aber auch "Heimatmuseum" und habe ihn deshalb schon früh aus meinem aktiven Sprachschatz aussortiert.

Poesiealbumsprüche wie etwa "Vergesse nie die Heimat/Wo deine Wiege stand/ Du findest in der Ferne/ Kein zweites Heimatland" machen deutlich, welche Ideologie hinter diesem Begriff auszuloten ist. Der Ort, wo man geboren wurde und seine Kindheit verlebte, wird in diesem Vers eindeutig überhöht, ganz ähnlich wie man dies ansonsten vom Begriff der "ersten Liebe" her kennt. 

Wer das Alte vergisst, muss innere Leere erleben, denn im Neuen kann man nicht verwurzeln, so die Botschaft. Das Postulat, die Heimat nicht zu vergessen, will demnach letztlich eine geglückte Neuorientierung verhindern. 

Vor diesem Problem standen bereits viele Heimatvertriebene nach dem 2. Weltkrieg, wenn sie in die Falle dieses fatalen, sentimentalen Gedankens tappten. Das gedankliche Kleben an der "Heimat" als Ort der einzigen Glückseligkeit macht den Menschen, der den Ort seiner Kindheit freiwillig oder aufgrund von Zwang verlassen hat, unglücklich und verhindert eine entspannte Integration in neue Lebenskreise. 

In Regionen, wo man einen überzogenen Heimatkult betreibt, haben neu Hinzugezogene, gleichgültig, woher sie kommen, keine Chance. Dazu zu gehören, ist noch nicht einmal möglich, wenn man in einer solchen Region geboren wurde. Man muss- ganz wie bei den Nazis- beweisen, dass man ethnische Wurzeln dort hat. 

Das Heimatmuseum bewahrt in der Regel Utensilien ortsansässiger Familien aus den ersten 45 Jahren des letzten Jahrhunderts. Weiter zurück will man nicht gehen, sondern eigentlich nur dokumentieren, wer dazugehört und wer nicht. So hat der Begriff "Heimat" viel mit Ausgrenzung, Verweigerung, Sentimentalität, Dominanz und letztlich mit Schildbürgertum zu tun. Kurzum, es mangelt ihm an Weltoffenheit.

Sich irgendwo zuhause zu fühlen, die Besonderheiten von Regionen weltweit zu schätzen, sie zu bewahren und vielleicht auch zu verbessern, ist die Aufgabe aller, denen Kultur am Herzen liegt. Tradition sollte immer auch Neues zulassen und sollte sich als Lernprozess verstehen. 

Wer "Heimat" als Lernprozess begreifen möchte, muss weit gereist sein und mit Menschen aus vielen Regionen gesprochen haben, dann wird er gewiss nach neuen Begrifflichkeiten suchen, seine industriell hergestellten Sammeltassen nicht mehr ins Heimatmuseum tragen, sondern sich stattdessen bemühen, wirklich alte, regionale Kulturgüter zu bewahren und sie nicht der Beliebigkeit der Industrie opfern, wie dies mit so vielen  Dingen geschieht. 

Allen ein schönes Osterfest

Helga König

Sonntag, 25. März 2018

Helga König, Sonntagskolumne, 25.3.2018

Der Beitrag von "Buch, Kultur und Lifestyle"  zur  Bewahrung europäischer Trink- und Esskultur umfasst 5 Blogs.

Das Onlinemagazin "Buch Kultur und Lifestyle" besteht aus 38 Blogs zu unterschiedlichen Themenbereichen, diese sind auf der Hauptseite des Magazin aufgelistet. Zwei der Blogs befassen sich mit hochwertigen Weinen, Winzersekten aber auch mit Champagner von namhaften Weingütern, Sektkellereien und Winzergenossenschaften. Ein dritter, mit diesen beiden korrespondierender Blog enthält Bücher über Wein. Er deckt die theoretische Seite des alten Kulturguts Wein ab. Die Interviews mit den Wein- und Sektmachern, aber auch mit Weinbuchautoren sind im Hauptinterviewblog des Magazins zu finden. Dort gibt es wie in allen anderen Blogs - für jeden leicht erkennbar - das Suchfeld "Suchen", wo man sich schnell kundig machen kann, ob der, die oder das Gesuchte auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorhanden ist. 

Ein weiterer Blog enthält über 500 Kochbuchrezensionen. Auch hier wird ein altes Kulturgut –das Kochen- näher beleuchtet. Im Zusammenhang mit den Kochbüchern  werden mit hochdekorierten Sterneköchen immer wieder Interviews realisiert, um zu verdeutlichen, dass das Kochen auf ausgesuchtem Meisterniveau neben handwerklichem Können unendlich viel Sachwissen voraussetzt, das man nicht genug wertschätzen kann. 

Seit Anfang des Jahres nun wurde ergänzend zu den oben genannten Blogs ein weiterer aktiviert. Er nennt sich "Delikates aus Manufakturen". Hier werden hochwertige Lebensmittel aus nachhaltig arbeitenden Manufakturen vorgestellt. Es soll gezeigt werden, wie man in einem Europa der Regionen mit viel Vernunft und Sorgfalt altes Handwerk in einzelnen Regionen bewahrt und selbst einfache Genüsse, wie etwa eine "Hausmacher Wurst", mit viel Sachverstand auf hohem Niveau zubereitet werden können. 

Es geht auch darum, zu verdeutlichen, dass solche Manufakturen eine bestimmte Philosophie und damit auch eine  berufsbezogene Ethik vertreten, die es zu unterstützen gilt, damit alles nicht immer beliebiger wird und Viel- aber auch Sorgfalt im Bereich der Zubereitung von Lebensmitteln bewahrt bleiben. 

Der Verzicht auf Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Bindemittel, Aromen, Farbhaltestoffe etc bedeutet,  dass den Herstellern die Gesundheit ihrer Kunden wichtiger ist als der rasch verdiente Euro und dass Esskultur ohne Ethik ein ausgehöhlter Begriff ist, dem ein anständiger Handwerker nicht zuarbeitet. 

Käse aus Manufakturen, von Affineuren möglicherweise sogar noch veredelt, ist für Weingenießer natürlich eine Bereicherung und ebenfalls Ausdruck einer alten Kultur, die es zu bewahren gilt. 

Über solches Sachwissen zu schreiben und es zu kommunizieren, halte ich für wichtig. Denn was nützt es, Philosophie-, Ethik- und Wirtschaftsbücher zu rezensieren, wie dies auch auf "Buch, Kultur und Lifestyle" seit  über 7 Jahren bereits geschieht, sprich Bücher vorzustellen, die uns alle wachrütteln sollen, wenn nicht zugleich gezeigt wird, dass es Menschen gibt, die sich in ihrem Tun ethisch  verpflichtet sehen und diese Ethik auch im Rahmen einer Berufsethik, tagtäglich leben? 

Helga König

Sonntag, 18. März 2018

Sonntagskolumne Helga König, 18.3. 2018

"Es kann keine Freundschaft ohne Vertrauen, kein Vertrauen ohne Integrität geben." Samuel Johnson (1709 – 1784, englischer Schriftsteller) 

Der Verfasser obiger Sentenz ist nach William Shakespeare der meistzitierte englische Autor und war im 18. Jahrhundert die wichtigste Person im literarischen Leben Englands, vergleichbar mit Johann Christoph Gottsched in Deutschland*. 

Wie lange braucht man, um sich darüber klar zu werden, dass ein Mensch integer ist, ab wann kann man vertrauen? 

Wikipedia definiert: "Integrität ist eine ethische Forderung des philosophischen Humanismus nach möglichst weitgehender Übereinstimmung zwischen den eigenen Idealen und Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis."**

Die Definition allein schon zeigt, dass es vieler Tage bedarf, um zu erkennen, ob beim Gegenüber Gedanken, Worte und Werke übereinstimmen und sich nicht blindes Vertrauen aufbauen lässt. Wenn man wenig über einen Menschen weiß und die Dialoge selten das Small-Talk-Niveau übersteigen, können wir uns kein Bild von der Integrität dieses Menschen machen. Einer solchen Person dann dennoch zu vertrauen und Ja zu einer freundschaftlichen Beziehung zu sagen, ist ein Wagnis, dass nicht wenige in Internetzeiten ohne Bedenken eingehen und dabei oft genug sehr schlechte Erfahrungen machen. 

Wie lebt ein Mensch? Welche Beziehungen pflegt er? Kommt es oft zu Beziehungsbrüchen und falls ja, worin bestehen die Ursachen?

Schwierige, eigenbrötlerische Charaktere sind oft sehr integer, werden aber nicht häufig von vielen gemocht, weil ihr Verhalten sperrig ist. Einen schwierigen Charakter einem Bruder Leichtfuß als Freund vorzuziehen, ist von daher nicht selten ein Zeichen von Klugheit und erspart viel Schmerz. 

Wie verhält sich ein Mensch in problembelasteten Zeiten? Steht er dann immer noch zu seinem Wort? Es gibt, wie jeder weiß, Persönlichkeiten, die das tun und das ist nicht abhängig vom Alter, sondern davon, wie vorteilsbezogen ein Mensch tatsächlich ist. 

Ideale und Werte haben allerdings keineswegs nur einen Sinn, wenn man sie auch lebt. Sie zu predigen und andere zu täuschen, schafft Freiraum, um seinem Egoismus ungestört zu frönen. 

Woran erkennt man solche doppelbödig agierenden Personen? 

Am falschen Blick. Falschheit wird je älter ein Mensch ist, in der Regel im Gesicht immer sichtbarer. Sehr abgefeimte Betrüger (m/w) schaffen es zwar dauerhaft, ihre Blicke zu kontrollieren, aber man erkennt sie letztlich an ihrem Pokerface. 

Leider ist es dann meist zu spät für jene, die arglos vertrauend, eine freundschaftliche Beziehung mit einer solchen Person eingegangen sind. Neben emotionalen Verletzungen, gibt es in solchen Fällen  auch anderes, oft sehr Leidvolles zu verschmerzen. 

Blicke, Gesten, die Stimme eines Menschen, seine Aura sind im Internet (Videoclips ausgenommen) nicht erfassbar und man weiß zumeist nur wenig über das reale Verhaltensmuster seiner Gegenüber, nimmt nur das Geschriebene oder Gesprochene, die Statements wahr. Darauf zu vertrauen, dass Worte mit Taten übereinstimmen, ohne auch nur einen geringsten Anhaltspunkt dafür zu haben, ist ein wirkliches Wagnis und bedeutet, blind zu vertrauen. 

Vielleicht sind wir Menschen derzeit in einem Stadium, Sensoren zu entwickeln, um unsere Gegenüber geistig abzutasten und so wahrzunehmen wie sie sich tatsächlich verhalten, an Orten, die wir nicht kennen, wo diese Gegenüber ihr Leben leben und erkennbar für Dritte beweisen, ob sie  doppelbödig agieren oder auch nicht. 

Der Dichter Matthias Claudius sagte "Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat."

Ein integerer Mensch, weiß dies zu schätzen, ein Mensch, für den Werte und Ideale bloße Worthülsen darstellen, die er beliebig, um Vorteile zu erheischen, nutzt, lacht über einen solchen Satz und missbraucht entgegengebrachtes Vertrauen ohne jegliches Schuldgefühl. 

Helga König

*Wikipedia:Samuel Johnson
** Wikipedia Integrität

Sonntag, 11. März 2018

Sonntagskolumne Helga König, 11.3.2018

Der Zeitgeist plagt im Hier und Jetzt nicht nur die Damenwelt mit Angeboten zur Bildbearbeitung, zu Botox und Lifting. Eine ganze Reihe von männlichen und weiblichen Personen scheint ein großes Problem mit optischen Alterungsprozessen zu haben. Das darf man allein schon aus den unzähligen Fotobearbeitungen schließen, mit denen man täglich in den sozialen Netzwerken konfrontiert wird.

Hier scheint es hauptsächlich darum zu gehen, Falten und kleine Linien zu retuschieren. In welchem Maße das tatsächlich möglich ist, sieht man zumeist auf Messen oder anderen Veranstaltungen, wenn man Personen, die man zuvor nur von geschönten Fotos her kannte, dann live erleben darf. 

Auf Vernissagen und anderen gesellschaftlichen Zusammenkünften begegnet man öfter gelifteten Frauen, oder solchen, die sich ihre Falten für eine gewisse Zeit mit Botox haben wegspritzen lassen und hört sie zumeist klagen, dass etwas schief gelaufen sei. Maskenhaft sieht das Gesicht bei fast allen aus und jünger erscheint tatsächlich keine, gleichwohl gestresster und das gibt zu denken.

Woher kommt diese Angst vor Altersspuren- bei einigen schon mit 30- in unserer Gesellschaft, in der doch Menschen heute fast problemlos 90 oder gar 100 Jahre alt werden können und  bis ins hohe Alter zum Teil sehr agil sind? Müsste mit Altersspuren nicht eher kokettiert werden, wenn zugleich erkennbar ist, dass ein Mensch noch wahnsinnig fit  zu sein scheint?

Womit werden Falten assoziiert? Mit unserer Vergänglichkeit? 

Wird ein Gesicht durch Lachfalten unattraktiver? Wohl kaum. Weshalb  dann werden selbst diese  hübschen Sonnenfältchen retuschiert? Vor allem, was macht das mit Menschen, die sich im Grunde immer weniger äußerlich so akzeptieren können, wie sie gelebt haben? Macht es sie depressiv? 

Entsteht durch das Bildbearbeiten irgendwann der Wunsch durch Botox und Facelifting sich  auch real  seinen virtuellen Fotos anzupassen?  Fast scheint es so.

Was kann einen Menschen dazu bringen, sich lähmendes Nervengift ins Gesicht spritzen zu lassen und was, sich sogar freiwillig unters Messer zu legen, ohne sich hundertprozentig sicher zu sein, wie man nach einem solchen chirurgischen Eingriff am Ende tatsächlich ausschaut? Oft genug wird davon gesprochen, dass die Operierte "furchtbar verschnitten" aussähe...

....und schließlich: Was hat das Thema mit Ethik und Kultur zu tun? 

SEHR VIEL, denn im Grunde geht es beim Retuschieren und Schnippeln um die Verletzung der eignen Würde, auch um Täuschung und um das Aushebeln der Kultur des entspannten Älterwerdens

Es sind ja nicht nur Frauen, sondern auch immer mehr Männer, die ein erhebliches Problem damit haben, dass sie nicht mehr jung ausschauen, die nicht akzeptieren wollen, dass ihr gelebtes Leben optische Spuren hinterlassen hat . Woran kann das liegen? 

Eine zufriedenstellende Antwort habe ich diesbezüglich noch nicht gefunden. Hängt es mit dem Gedanken, mit der diffusen Angst, nicht zu genügen zusammen? Stellt sich die Frage wem?

Oder hängt es eher damit zusammen, dass man es nicht ertragen kann, wie man gelebt hat?

Oder ist von allem etwas dabei?

Die Infantilisierung der Gesellschaft zeigt sich auch darin, dass der Mensch die Vergänglichkeit des Lebens nicht mehr wahrhaben möchte. Das sollte zu denken geben.

 Helga König

Sonntag, 4. März 2018

Sonntagskolumne Helga König: 4.3.2018

"Die Gier ist das Muttertier vom Goldenen Kalb." © Manfred Hinrich (1926 - 2015).

Weshalb ich immer und immer wieder in meinen Tweets gegen die Gier  anschreibe? 

Weil dieses Verhalten, besonders in seiner Ausformung Habgier, Sensationsgier, Spielsucht, Nikotin-, Alkohol- aber auch Zuckersucht zu unsäglichem Leid weltweit führt. 

Allein zum Thema Gier gibt es nach dem Stand vom 4.3. 2018 32.600.000 Einträge. Gier zählt nach der buddhistischen Ethik neben Hass und Verblendung  übrigens zu den drei Geistesgiften.

Dabei sollte man festgehalten, dass die Habgier in Zeiten des Neoliberalismus alles andere als  geächtet wird. Niemals zuvor gab es so viele Fälle von Korruption und Mobbing wie in den letzten beiden Jahrzehnten. Dabei war das Wort "Mobbing"hierzulande vor 20 Jahren noch kaum einem bekannt. Mittlerweile findet Verdrängung mit brachialsten Mitteln aufgrund von Habgier allerorten statt, selbst in Familien und hier auch immer öfter. 

Helfen und Teilen sind zwischenzeitlich nur noch Verhaltensmuster jener Menschen, die eine unverbrüchliche, ethische Grundhaltung besitzen. Dass man solche Menschen verlacht oder als Spinner abtut und voller Zynismus abfällig als "Gutmenschen" bezeichnet, ist die mittlerweile  gängige  Methode von Egomanen, um besagte menschenfreundlichen  Verhaltensmuster in Misskredit zu bringen. 

Die Habsucht bezieht sich nicht nur auf Dinge. Trauer und Freude werden ebenfalls immer seltener geteilt. Dieses sonderbare Sich- Einverleiben-Wollen von allem in vielen Bereichen entwürdigt jedoch den Menschen, der weder edel, hilfreich und gut sein möchte, sondern sich primär fixiert auf immer mehr und mehr und mehr für sich. 

Der französische Ökonom Prof. Dr. Thomas Piketty gelangte aufgrund der Untersuchung empirischer Daten zu dem Ergebnis, dass in westlichen Staaten seit den 70er Jahren die soziale Ungleichheit zunimmt. Nicht die persönliche Leistung führe zu Reichtum, sondern Herkunft und Vermögen. In seinem Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert" verbindet er seine vorangehenden historischen Forschungen zur Einkommens- und Vermögensverteilung mit einer Theorie des Kapitalismus. Er schreibt, dass nicht regulierter Kapitalismus unweigerlich zu steigender Vermögenskonzentration führe. Starke Vermögenskonzentration wiederum führe zu einer stagnierenden Wirtschaft und sei eine Bedrohung für die Demokratie.* 

Ungezügelte Gier geht zumeist mit Gleichgültigkeit im Hinblick auf das Wohl anderer einher, auch mit einer ablehnenden Geisteshaltung, so meine jahrelangen Beobachtungen, die sich mit buddhistischen Denkmustern  in diesem Fall decken.

Ignoranz und Ablehnung sind geradezu Bedingungen, um ungezügelte Gier, speziell die Habgier ausleben zu können. 

Die Sensationsgier sei eine Besessenheit der Moderne, schreibt WikiYoga**. Gaffer, die mit ihren Handys bei Unfällen Aufnahmen machen und Einsatzkräfte beim Helfen behindern, zeigen wie weit diese Gier gediehen ist, dokumentieren aber auch die Ignoranz den Hilfsbedürftigen gegenüber. 

1.210.000 Einträge bei Google zum Thema Spielsucht, Stand 4.3.2018 und 107.000 Einträge zum Thema Zuckersucht, 128.000 Einträge zum Thema Nikotinsucht und 391.000 Einträge zur Alkoholsucht am gleichen Tag zeigen, dass Gier ein mehr als ernst zu nehmendes Thema ist, dass sehr viel Leid dadurch bewirkt wird und diesem zwanghaften Verhalten, das letztlich allen schadet, nun endlich Einhalt geboten werden muss, möglichst durch Aufklärung. 

Die Ursache aller Gier sei ein Mangel, liest man immer wieder: ein Mangel an Liebe und  auch ein Mangel an Mitgefühl. Das sollte zu denken geben.  Das sollte uns alle dazu bewegen, Lösungen  zu finden, um dieses wirkliche  Menschheitsproblem rasch zu lösen und zwar gemeinsam.

Helga König

*Wikipedia: Thomas Piketty
** Wiki Yoga: Sensationsgier

Samstag, 24. Februar 2018

Sonntagskolume Helga König: 25.02.2018

"Il faut avoir l’esprit dur et le cœur tendre" ("Man muss einen harten Geist und ein weiches Herz haben") Jacques Maritain 

Am 20.2.1810 wurde der polnische Komponist Fréderic Chopin geboren, am gleichen Tag, im gleichen Monat beging 1942 der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig Selbstmord und ein Jahr später wurde die Widerstandskämpferin Sophie Scholl von den Nazis enthauptet. 

Fréderic Chopin verstarb im Alter von 39 Jahren an einer Herzbeutelentzündung. Sein Musiklehrer Joseph Elsner- er war Direktor des Warschauer Konservatoriums- stellte im Hinblick auf seinen Schüler fest: "Er meidet die ausgetretenen Pfade und gewöhnlichen Methoden, aber auch sein Talent ist ungewöhnlich."* 

Galt dies nicht auch für die beiden anderen, hier genannten Persönlichkeiten, die Jahrzehnte später an einem 22. Februar verstorben sind? 

Stefan Zweig  studierte Philosophie und wurde mit einer Dissertation über "Die Philosophie des Hippolyte Taine bei Friedrich Jodl" promoviert.  Er mied  eindeutig ebenfalls ausgetretene Pfade und gewöhnliche Methoden und auch sein Talent war - wie alle Zweig-Leser wissen - ungewöhnlich. 

Seine Erfahrungen zu Zeiten des ersten Weltkriegs veranlassten ihn zu der Entscheidung,  nun seinen "persönlichen Krieg zu beginnen: den Kampf gegen den Verrat der Vernunft an die aktuelle Massenleidenschaft."

Was den 1. Weltkrieg anbelangte schrieb er: "Von Anfang an glaubte ich nicht an den "Sieg" und wusste nur eines gewiss: dass selbst wenn er unter maßlosen Opfern errungen werden könnte, er diese Opfer nicht rechtfertige. Aber immer blieb ich allein unter all meinen Freunden mit solcher Mahnung, und das wirre Siegesgeheul vor dem ersten Schuss, die Beuteverteilung vor der ersten Schlacht ließ mich oft zweifeln, ob ich selbst wahnsinnig sei unter all diesen Klugen oder vielmehr allein grauenhaft wach inmitten ihrer Trunkenheit**

Ähnlich wie Frederic Chopin wunderbare Musik komponierte, die ihn überdauerte, schrieb der jüdische Autor Stefan Zweig herausragende Bücher, die in der NS-Zeit auf die Liste der Bücherverbrennungen gesetzt wurden. 1935 schließlich wurde Zweig in die Liste verbotener Autoren aufgenommen und 1941 wurde ihm sein Doktorat aberkannt. Als engagierter Intellektueller trat er mit Nachdruck gegen Nationalismus und Revanchismus ein und warb für die Idee eines geistig geeinten Europas.Von 1934 bis zu seinem Tode lebte er im Exil.*** 

Chopin lebte übrigens ebenfalls im Exil. Er verließ als 20 Jähriger Polen, ging aus politischen Gründen auf Drängen seines Vaters nach Frankreich und so wurde Paris von da an  der Mittelpunkt seines Lebens und Schaffens. 

Beide hochsensiblen Persönlichkeiten begriffen sich als Europäer und zeigten durch ihre Werke, dass der Weltgeist  sie nicht nationalstaatlich fesseln und engen wollte. 

Sophie Scholl, die dritte große Persönlichkeit im Bunde hatte Biologie und wie Stefan Zweig auch Philosophie studiert. Was aus ihr geworden wäre, wenn die Nazis sie nicht ermordet, sondern sie stattdessen  hätte in die Schweiz fliehen können,  bleibt nur zu vermuten.  Gewiss ist,  dass sie  sich im Nachkriegsdeutschland für ein geeintes demokratisches  Europa engagiert hätte. Ihr klarer Geist hätte nichts anderes zugelassen.

Das Bewundernswerte an Sophie Scholl ist u.a auch, dass sie es schaffte, trotz ihrer Schulzeit im Nazideutschland und der ideologischen Manipulationen in der Hitlerjugend, eine Abwehrhaltung gegen das Nazis-Regime zu entwickeln. 

Sie orientierte sich an den augustinischen Schriften und entschied sich für den Widerstand gegen das NS-Regime. Dass ihr dies zum Verhängnis wurde, wundert nicht. 

Sophie Scholl zitierte in ihren Briefen häufiger den französischen Philosophen Jacques Maritain. Dieser sagte: Il faut avoir l’esprit dur et le cœur tendre ("Man muss einen harten Geist und ein weiches Herz haben".**** 

Wer ausgetretenen Pfade und gewöhnlichen Methoden meidet, benötigt einen harten Geist und wer für andere etwas Wahres, Gutes oder Schönes leisten möchte, braucht in erster Linie ein weiches Herz, denn nur dann, ist man bereit, anderen etwas zu schenken. 

Fréderic Chopin, Stefan Zweig und Sophie Scholl schenkten uns allen mehr als wir zu begreifen in der Lage sind. 

Helga König

Samstag, 17. Februar 2018

Sonntagskolumne Helga König, 18.2.2018

"So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln."(Sophie Scholl, am Tag ihrer Hinrichtung, 22. Februar 1943) 

Am 18. Februar vor genau 75 Jahren wurde das Geschwisterpaar Hans und Sophie beim Auslegen von Flugblättern in der Ludwig- Maximilians- Universität München von deren Hausmeister Jakob Schmidt überrascht und bei der Gestapo denunziert. Die beiden gehörten, wie allseits bekannt sein sollte, der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" an, die gewaltfrei das NS-Regime bekämpfte, indem sie mit insgesamt sechs Flugblätter von zuletzt bis zu 9000 Exemplaren versuchte, Aufklärung zu betreiben. Darüber hinaus bemalten die Mitglieder der Widerstandsgruppe in nächtlichen Aktionen öffentliche Fassaden in München mit Parolen gegen Hitler und die NS-Herrschaft. 

Bereits wenige Tage später, am 22.2. 1943 wurden die Geschwister Scholl und ihr Freund Christoph Probst von den Nazis hingerichtet. Es folgten weitere Verhaftungen und Hinrichtungen von Mitgliedern der "Weißen Rose" und Verhaftungen von Sympathisanten. Ganz so wie das üblich ist in Terrorregimen, in denen Kritiker brachial mundtot gemacht werden, damit sich kein weiterer Widerstand bilden kann. 

Die 21 jährige Sophie Scholl sagte am Tag ihrer Hinrichtung "So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln". 

Als ich diese Worte vor Jahrzehnten das erste Mal kurz vor meinem Abitur las und zwar im Rahmen der Recherche zu einer Jahresarbeit, deren von mir gewähltes Thema "Der Widerstand in der NS-Zeit" war, hatte ich den Eindruck, dass dieser teuflische Spuk sich nicht mehr wiederholen könne in unserem Land, dass nun alle wachgerüttelt waren, denn der Zeitgeist war damals sozial-liberal und  speziell junge Leute waren enorm freiheitsliebend und neugierig auf alles Fremde. 

Unvorstellbar war, dass irgendwann eine rechts-populistische Partei bei einer Umfrage 15% der Stimmen erhalten würde, unvorstellbar auch,  dass ausgebildete Menschen mittleren Alters plötzlich wieder Fremdenhass schürten, ganz so wie Nationalisten der Großelterngeneration es auch schon vor der Machtergreifung  der Nazis im Jahre 1933 taten.

Bei der Reichstagswahl 1928 hatte die NSDAP 2,6% der Stimmen,  zwei Jahre später waren es schon 18.3% wiederum zwei Jahre später waren es 37.3% und 1933 im Jahr der Machtübernahme waren es 43,9%. 

Die rechts-populistische AfD hatte zum Vergleich  im Jahre 2013 4,7 % der Stimmen und bei der Bundestagswahl 2017 schon  satte 12,6%. Wenige Monate später, jetzt im Februar werden ihr bereits 15% der Stimmen zugeordnet und wenn nun nicht massiv Aufklärung betrieben wird und auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die Digitalisierung jetzt blitzschnell reagiert wird, werden wir in Kürze ähnliche Verhältnisse in diesem Land haben wie zu Ende der Weimarer Republik. Um dies festzustellen, muss man kein Prophet sein.

Hört man sich die jüngsten rassistischen Reden einiger AfD-Poliker an, wird sehr schnell klar, dass nun wirklich umgehend etwas getan werden muss, denn es handelt sich nicht um bloße verbale Entgleisungen, sondern offenbar um Strategien, Unfrieden zwischen Menschen unterschiedlicher ethnischer oder religiöser Herkunft zu säen und das war einst bei den Nazis auch gängige Methode.

Wo soll der neuerliche Fremdenhass dieses Mal enden? Wieder in Konzentrationslagern? Was geschieht, wenn die AfD einen weiteren Stimmenzuwachs zu verzeichnen hat? Werden dann in Deutschland Andersdenkende auch wieder verfolgt? Wird es eine neues Geschwisterpaar Scholl geben, das  man wegen gewaltfreiem Widerstand  brutal hinrichtet?

Ich befürchte das genau dies geschehen wird, wenn man jetzt dem rechts-populistischen Treiben nicht kategorisch Einhalt gebietet.


Helga König