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Samstag, 8. April 2017

Helga König, Sonntagskolumne, 9.4.2017

"Ein Jahr nach dem Tod von Luchino Visconti wollte ich mir das Leben nehmen. Leider hatte mich die römische Haushälterin, die sonst immer erst nachmittags kommt, gefunden."* (Helmut Berger)

Dieser Tage sah ich auf Twitter rein zufällig ein altes Foto des Schauspielers #Helmut_Berger, der in den 1970ern als einer der schönsten Männer seiner Zeit Aufsehen erregte. Die Vogue bezeichnete ihn sogar als "schönsten Mann der Welt". 

Ich erinnerte mich spontan an einige Filme, in denen er zu sehen war, so etwa "Dorian Gray", "Der Garten der Vinci Conti", "Ludwig II", auch "Gewalt und Leidenschaft" und begann mich über seine extreme visuelle Veränderung zu wundern. Sehen so normale Spuren der Zeit aus? 

Auf "Google Bilder" und in Youtube-Clips studierte ich besagte Veränderungen dann genauer. Natürlich fiel mir sofort Oscar Wildes berühmter Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" ein, doch Helmut Bergers heutiges Gesicht zeigt keine brutalen, bösen Züge wie das gealterte Bildnis des Dorian Gray, sondern wirkt eher so als habe dessen Besitzer einfach  zu viel erlebt, um es verarbeiten zu können. 

Während ich schreibe, befürchte ich, dass ich "normale" Männer mit meinen Überlegungen überfordere. Ich hoffe, sie vergeben mir. Mir ist das Phänomen Helmut Berger wirklich wichtig. Mit seiner Größe von  1,82 cm, seinem einstigen Körper, aber hauptsächlich mit seinem Gesicht  sah er nicht nur in den Augen seiner  Zeitgenossen in den  1970er Jahren überirdisch gut aus und wirkte auf Fotos  und in Filmen zudem äußerst edel, bis zu dem Moment jedenfalls, wo er sich vermutlich in sich selbst verliebte und in der Folge vorübergehend einen unangenehmen Zug um die Lippen bekam. Dieser Zug war es, der ihn vom Olymp, auf dem er als Adonis thronte, letztlich herunterholte und dahin brachte, dass er sich später, als seine beste Zeit schon lange vorbei war, öffentlich demütigte, wie die Youtube-Clips zeigen. 

Seine Neider kramten in seinen Schwächen, um ihn vorzuführen. Typisch. Er hat es zugelassen und versuchte, indem er eine schlechte Figur machte, darüber offenbar hinwegzutäuschen, dass es ihm etwas ausmachte. Er war der schönste, mit Abstand der allerschönste Mann seiner Zeit. Er war es ungewollt. Die Natur hat ihr zynisches Spiel mit ihm getrieben.

Berger scheint mir ein Komödiant, der große Clown-Qualitäten besitzt. Das hat er übrigens mit Marilyn Monroe gemeinsam. Ein extrem schöner Mensch muss Komödiant werden, um nicht in die zynische Falle zu laufen, die ihm der körperliche Verfall stellt.

Nur Lanz übrigens respektierte das, was Helmut Berger einst ausmachte und achtete darauf, dass dieser Schauspieler sein Gesicht in der Sendung nicht verlor. Das spricht für Markus Lanz. 

Wer so schön war wie Helmut Berger, dem die attraktivsten Frauen und Männer einst in seinen jungen Jahren zu Füßen lagen, hat  eine Aura besessen, die es wert ist, sehr genau studiert zu werden. Von einem solchen Menschen, muss etwas ausgegangen sein, was man ergründen oder vielleicht einfach nur bestaunen sollte.   

Ich habe versucht herauszufinden, ob es ein weibliches Pendant zu Helmut Berger gibt. Eigentlich fällt mir nur Julie Christi ein, die in jungen Jahren eine analoge Ausstrahlung hatte.  Beide besaßen eine Schönheit, die nicht käuflich ist, auch wenn man es ihr vielleicht unterstellt.

Muss man von Helmut Berger Intellektualität im Alter oder irgendetwas in dieser Art erwarten? Nein. Muss man nicht. Aber er hat sie. Überzeugen Sie sich selbst anhand dieses Clips. 

Gehen wir davon aus, dass uns an seinem Beispiel gezeigt wird, was die Natur zu leisten im Stande ist, aber auch wie grausam sie vorgeht, indem sie nimmt, was sie gibt und nicht danach fragt, ob der Mensch stark genug ist, das, was dann kommt, nämlich Hohn, zu ertragen.

Helmut Berger hat meines Erachtens  schon vor  Ewigkeiten begriffen, worum es geht. Seither spielt er den Clown, weil er zum Narzissten schon lange nicht mehr taugt,  Das Leben hat ihm irgendwann Narzissmus ausgetrieben, falls er ihn als Clown überhaupt jemals  tatsächlich hatte...

Die Frage, ob Helmut Berger noch schön ist, stellt sich nicht. Stattdessen stellt sich die Frage, ob er gute Bücher liest und sich vorstellen kann noch weitere 20 oder 30 Jahre zu leben als Mensch, der etwas Großartiges aber Vergängliches geschenkt bekam, über das, ohne Wehmut öffentlich zu sprechen,  einer narzisstischen Gesellschaft  möglicherweise zu großer Erkenntnis verhelfen könnte. 

"Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis." Helmut Berger weiß das.  Doch wissen alle anderen es auch?

Helga König

Kommentare:

  1. Das ist der beste Artikel, den ich je über ihn gelesen habe.Ich habe ihn das dritte mal durchgelesen.

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